Jonathan Darlington, Conductor
17.
Juni 2011
Kurt Weills “Street Scene” an der Semperoper – aus dem Schmelztigel des Exils
Nach seinem großen Erfolg mit Manfred Trojahn’s “La grande magia”  2008 kehrt Jonathan Darlington an die Semperoper Dresden zurück, um Kurt Weills “Street Scene” in einer Dresdner Erstaufführung auf die Bühne zu bringen. Bevor sich am Sonntag der Vorhang hebt, gibt der Masetro Einblick in seine Entdeckungsreise in dieses facettenreiche Stück …

Ein neues Stück zu lernen bedeutet immer eine faszinierende Reise und ich brauche oft sehr lange dafür,  je nach der Komplexität und Länge des Werkes.  Für Kurt Weill’s “Street Scene” habe ich in der Tat lange gebraucht. Ich habe das Stück auf Englisch gelernt und habe aber erst relative spät erfahren, dass es auf deutsch aufgeführt werden soll, in einer Übersetzung von Stefan Troßbach. Benjamin Britten war sehr bedacht darauf, dass seine Stücke in der Landessprache Aufgeführt werden, und mir scheint, dass “Street Scene”,  welches sehr viel Dialog und ‘Melodrama’ enthält,  für ein deutsches Publikum auf Deutsch viel zugänglicher sein wird. Puristen werden natürlich anders darüber denken!

Das erste Stück, das ich je dirigiert habe als Student, war Weill’s ‘Dreigroschenoper’ und ich habe das Stück seither immer geleibt wegen seines Außenseitercharakter.  Als Weill,  1933 aus Deutschland floh, ging er erst nach Frankreich, dann England und reiste schließlich nach Amerika. Dort angekommen versuchte er  so amerikanisch zu werden wie es nur ging. Nach 1941 waren sogar die Briefe an seine Frau Lotte Lenya auf Englisch obwohl ihre gemeinsame Muttersprache Deutsch war. Mit “Street Scene” versuchte er eine ‘amerikanische OPer’ zu schreiben (er nannte sie ‘Broadway Opera’). Sie ist ein riesiger Schmelztiegel für jedes nur erdenkliche musikalische Idiom. Jazz, Blues, Grand Opéra, Melodrama, Broadway Tanznummern . Alles, was einem einfallen kann, ist da. es ist eine musikalisch virtuose tour-de-force und er betrachtete es als sein Meisterstück.

Eine der Herausforderungen des Stückes ist, dass die Sänger zugleich auch in der Lage sein müssen zu tanzen, spiele und sprechen wie Schauspieler. In der Originalproduktion waren die vier Hauptrollen mit Opernsängern besetzt und der Rest des Enesembles waren Broadway-Künstler. In unserer Produktion sind alle Beteiligten Mitglieder des Ensembles der Semperoper und sie leisten hervorragende Arbeit im Kombinieren aller benötigten künstlerischen Fähigkeiten. Zusammen mit Bettina Bruiniers lebhafter Inszenierung und der wunderbaren Staatskapelle sollte das einen Abend ergeben, an den man sich  erinnern wird.

Lesen Sie mehr über die Produktion auf der Webseite der Semperoper.
Die Produktion ist zudem Teil der Ausstellung “Verstumme Stimmen” über die Komponisten, Dirigenten, Intendanten, Sängerinnen und Sänger, die im Dritten Reich Schicksale erlitten wie Berufsverbot, Exil oder Deportation.
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