Jonathan Darlington, Conductor
11.
Januar 2011
5. Philharmonisches Konzert – Neue Welt, alte Frage

Photo: Christoph Müller-Girod

Das 5. Philharmoische Konzert verbindet große Komponisten Amerikas – Leonard Bernstein, Charles Ives sowie den Wahlamerikaner Sergej Rachmaninow. Fragt Rachmaninow nach dem “wie” des Schaffens, fragt sich Ives eventuell “warum überhaupt etwas schaffen?” – und Bernstein antwortet: “Ja!”  Zusammen mit dem Pianisten Barry Douglas wird der Abend diesen Fragen – und Antworten   – nachgehen. Mehr dazu in Jonathan Darlingtons Progammnotizen …
1973 gab Leonard Bernstein eine Reihe von Lesungen an der Harvard Universität, wobei der Titel von Charles Ives übernommen wurde: „The Unanswered Question”. Am Ende der Lesungsreihe, die anschließend publiziert wurde, ihn aber ein Jahr Vorbereitung gekostet hatte, sagte Leonard Bernstein: „Ich bin mir nicht mehr sicher, wie die Frage lautete, aber ich weiß, dass die Antwort ‚ja’ ist.“
Charles Ives war ein sehr erfolgreicher Lebensversicherungsmakler, der aus unbegreiflichen Gründen beinahe dreißig Jahre vor seinem Tode mit dem Komponieren aufhörte. Sergej Rachmaninow hatte Gründe, in den letzten zwanzig Jahren seines Lebens so wenig zu komponieren (nur sechs Werke): Um Geld für seine Familie zu verdienen, hatte er zahlreiche Auftritte als Pianist, seine Gesundheit war nicht besonders gut, aber vor allem litt er seit seiner Ankunft in Amerika unter Heimweh nach Russland. Wie viele andere Komponisten auch (Igor Strawinsky, Béla Bartók, Erich Wolfgang Korngold, Arnold Schönberg und andere) kam er im Zuge von politischen Umstürzen nach Amerika, in der Neuen Welt ließ er sich nieder und machte Karriere. Es war eine neue Welt mit großen Versprechungen und Chancen, die sich dazu andauernd „The Unanswered Question” stellte, aber es war eine Welt, in der Sergej Rachmaninow sich beinahe nicht in der Lage sah zu komponieren.
Leonard Bernstein befindet sich meiner Meinung nach in der Mitte der Dreiergruppe des heutigen Abends. Ich habe ihn mit Absicht dort eingeordnet. Als Sohn ukrainisch-jüdischer Eltern ist er in den USA geboren und aufgewachsen. Vereinfacht gesagt scheint es mir, dass er seiner Herkunft nach mit Leichtigkeit die Geisteshaltung eines gebürtigen Amerikaners wie Charles Ives und eines russischen Einwanderers wie Sergej Rachmaninow verstehen könnte. Seine Karriere lag begründet in seiner umfassenden Liebe zu allen musikalischen Dingen, die den bahnbrechenden Modernismus eines Charles Ives ebenso kannte wie Sergej Rachmaninows Traditionalismus der „Alten Welt“. Er probierte beinahe alle Nuancen dazwischen mit enormem Geschick aus, erhielt eine Oscar-Nominierung für „On the Waterfront“ und schuf mit „West Side Story“ ein Meisterwerk mit Kultcharakter.
Die Komponisten des heutigen Programms gehören zu den großen Komponisten Amerikas, und es ist gleich, ob es sich um gebürtige Amerikaner oder Wahl-Amerikaner handelt.


5. Philharmonisches Konzert

Jonathan Darlington Dirigent
Barry Douglas Klavier

Duisburger Philharmoniker


Charles Ives

The Unanswered Question
Leonard Bernstein
“On the Waterfront” Symphonic Suite
Sergej Rachmaninow
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 d-Moll op. 30

Mi 12. / Do 13. Januar 2011, 20.00 Uhr
Philharmonie Mercatorhalle

♻ Retweet

Keine Kommentare

RSS Feed für Kommentare zu diesem Artikel.

Entschuldige, das Kommentarformular ist zurzeit geschlossen.