Jonathan Darlington, Conductor
06.
November 2010
4. Philharmonisches Konzert – Hommage an die Vergangenheit

Photo: Christoph Müller-Girod

Was passiert, wenn Komponisten die Werke anderer Komponisten um-arrangieren oder neu bearbeiten? Entsteht ein Kommentar zum Original oder ein neues, selbstständiges Werk? Das 4. Philharmonischen Konzert wird erkunden, wie Anton Webern und Arnold Schönberg mit ihren Vorlagen von Bach und Brahms umgehen. Solisten des Abends sind Amanda Forsyth und Pinchas Zuckerman. Lesen Sie die Programmnotizen von Jonathan Darlington

Eine Hommage an die Vergangenheit

Schon immer haben Komponisten die Werke anderer Komponisten neu- und umarrangiert. Deshalb hat das Programm des heutigen Konzerts sozusagen nichts wirklich Originelles an sich.

Weberns Bearbeitung von Bachs Ricercar war, so sagt er, ein Versuch das Geflecht der Motive offen zu legen und Weberns eigene Sicht auf das Stück zu zeigen. Er hat ganz sicher nicht versucht, im Stile Bachs zu komponieren, sondern das ältere Genie auf eine höchst subjektive und eigene Weise zu ehren.

Schönberg hatte in seiner Orchestrierung des Brahms-Quartetts etwas völlig anderes vor. Wie er 1939 schrieb, war es seine Absicht, strikt im Stile Brahms‘ zu bleiben und nicht weiter zu gehen, als Brahms es selbst getan hätte, wenn er noch leben würde. Wie er hinzufügt, „um aufmerksam all die Regeln zu beachten nicht zu verletzen, denen Brahms folgte, und die nur denjenigen Musikern bekannt sind, die in seiner Umfeld studiert haben.“ Ob ihm das gelungen ist oder nicht, sei dahingestellt, jedenfalls das war seine Absicht. Sicherlich ist es ihm gelungen, die symphonische Natur des Stücks herauszustellen – zumal einige Leute das Stück als Brahms 5 Sinfonie bezeichnen würden.

So wurde manchmal auch Brahms Doppelkonzert genannt. Es war sein letztes Werk für Orchester und die Gründe für seine Komposition sind sehr gut dokumentiert, genauso wie die Reaktion – eine eher negative – von seinen berühmten Freunden (Clara Schumann, Edward Hanslick u.a.). Ich sehe einen großen Einfluss durch seine früheren klassischen Vorbilder – Mozarts Sinfonia Concertante, Louis Spohrs Concertante in C-Dur für Violine, Cello und Orchester, Beethovens Tripelkonzert oder sogar die die barocke Form des Concerto Grosso. Vielleicht war es, neben dem Versöhnungsakt mit seinem großen Freund Josef Joachim, Brahms Art seine eigene Vergangenheit zu ehren, so wie es Schönberg und Webern nach ihm taten.

P.S.: Wenn Sie mehr über die Beziehung zwischen Brahms/ Schönberg erfahren wollen, schlage ich vor, Sie lesen Sie Schönbergs Essay “Brahms, der Fortschrittliche”.

Jonathan Darlington

4th Philharmonic Concert

Jonathan Darlington Dirigent
Pinchas Zukerman Violine
Amanda Forsyth Violoncello

Johann Sebastian Bach

Fuga (Ricercata) zu sechs Stimmen aus „Musikalisches Opfer“ BWV 1071
in der Orchesterfassung von Anton Webern
Johannes Brahms
Quartett Nr. 1 g-Moll für Klavier, Violine, Viola und Violoncello op. 25
in der Orchesterfassung von Arnold Schönberg
Konzert für Violine, Violoncello und Orchester a-Moll op. 102

Mi 10. / Do 11. November 2010, 20.00 Uhr
Philharmonie Mercatorhalle Duisburg

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