Jonathan Darlington, Conductor
20.
März 2010
Haydns “Schöpfung” – Programmnotizen

Foto: Christoph Müller Girod

Beim 7. Philharmonische Konzert in Duisburg am 24. und 25. März wird Haydn’s Oratorium “Die Schöpfung” zu hören sein, mit Solveig Kringelborn, Johannes Chum, Günter Papendell und dem Christ Church Cathedral Choir, Oxford. Lesen sie hier Jonathan Darlingtons Programmnotizen zu seiner Interpretation dieses Meisterwerks …

Foto: Christoph Müller-Girod

Die letzte Vorstellung der “Schöpfung”, der Haydn selbst beiwohnte – es war sein letzter Auftritt in der Öffentlichkeit – bestritt eine ungewöhnlich kleine Anzahl an Musikern: Ungewöhnlich, weil das Stück üblicher Weise mit großen Chor und Orchester aufgeführt wurde und wird. Ich habe beschlossen, den Chor der Christ Church Oxford mit einem auf Kammergröße reduzierten Orchester zusammen zu bringen, um die Atmosphäre, in der Haydn selbst das Werk zum letzten Mal gehört hat, wieder entstehen zu lassen. Trotz all der Grandeur des Oratoriums fesseln mich aber am meisten diejenigen Passagen, die eine tiefe Beziehung, eine sehr bewegende Verbindung zum Schöpfer erkennen lassen, wie sie vielleicht nur durch die Weisheit hohen Alters erreicht werden kann. Bei dieser letzten Aufführung in seinem Leben hob der alte Mann, „während Tränen seine blassen Wangen hinunter strömten, seine zitternden Arme gen Himmel, wie im Gebet an den Vater der Harmonie“.

Ich hoffe, dass wir mit unserem kleinen aber hochtalentierten Ensemble etwas von dem herausarbeiten können, was Haydn im Sinn hatte, als er auf den Brief eines Bewunderers, der die „Schöpfung“ lobte, antwortete: „ … eine leise Stimme flüsterte mir zu: ‚Es gibt auf dieser Welt so wenige glückliche und zufriedene Menschen; Kummer und Sorgen folgen ihnen auf Schritt und Tritt; vielleicht kann deine Arbeit eine Quelle werden, in der jener, den Kummer niederdrückt oder Geschäfte belasten, für einen Moment Frieden und Ruhe finden wird.‘“ Wie zeitgenössisch das klingt!

Posted by JKL, 20 March, 2010

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