Jonathan Darlington, Conductor
14.
November 2009
Ein Triptychon französischer Meisterwerke für die englische Orgel – Saint-Saëns, Poulenc, Ropartz

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Photo: Christoph Müller-Girod

Lesen Sie Jonathan Darlingtons Programmnotizen zum 3. Philharmonischen Konzert mit den Duisburger Philharmonikern – with Wayne Marshall und der neuen Mercatororgel …

Jonathan Darlington Dirigent
Wayne Marshall Orgel

Duisburger Philharmoniker
philharmonischer chor duisburg

Francis Poulenc Konzert für Orgel, Streichorchester und Pauken g-Moll
Joseph-Guy Ropartz Der 136. Psalm für Chor, Orchester und Orgel
Camille Saint-Saëns Sinfonie Nr. 3 c-Moll op. 78 „Orgelsinfonie“

18. & 19. November in der Philharmonie Mercatorhalle Duisburg

Ich habe dieses Programm zugegebenermaßen mit einigen persönlichen Motiven im Hinterkopf zusammengestellt. Man könnte sagen, mich verbindet Vieles mit Orgeln! Die Schule, die ich besucht habe, die King’s School Worcester, hat eine starke Tradition in der Ausbildung junger Organisten, die dann meist nach Cambridge oder Oxford gingen. Viele der berühmtesten britischen Organisten (einschließlich meines älteren Bruders) sind ehemalige Schüler der King’s School, und man dachte, ich würde demselben Weg folgen. Ich hatte aber andere Ideen und brach den Orgelunterricht ab, um mich mehr auf das Klavier und mein Bratschenspiel zu konzentrieren. Dennoch ist mir das traditionelle Orgelrepertoire, das ich damals spielte und hörte, immer noch nah, und ich liebe es sehr.

Das erste Mal, dass ich das bekannteste Stück des heutigen Abends hörte – die „Orgelsinfonie“ von Saint-Saëns – war als kleiner Junge bei einem Konzert des Birmingham Symphony Orchestra (Sir Simon Rattles ehemaligem Orchester), in dem mein Bratschenlehrer Stimmführer der Bratschengruppe war. Der Dirigent des Abends war der damalige Musikdirektor Louis Fremaux, der dem Stück eine sehr angemessene französische Note verlieh, die ich noch nie zuvor gehört hatte. Der Organist war der junge und brillante Simon Preston, der später in Oxford meinen Bruder unterrichten sollte. Er war es auch, der das Orgelkonzert von Poulenc spielte, als ich es zum ersten Mal hörte. Sie sehen also, was ich mit persönlichen Motiven meine.

Der 136. Psalm von Ropartz ist ein Werk, das ich, bevor es mir von unserem Chorleiter Marcus Strümpe vorgeschlagen wurde, nicht kannte. Der Text ist von einem der schönsten Psalmen der Bibel, und Ropartz, der Zeitgenosse von sowohl Saint-Saëns als auch Poulenc war, schrieb eine starke und eindringliche Vertonung, die zu Unrecht vernachlässigt wird.

Der erste Teil des Konzerts hat daher einen eher religiösen Charakter, obwohl Poulenc oft eher respektlos ist. Er war gerade zum Katholizismus konvertiert, nach einer Reise zur französischen Stadt Rocamadour und ihrer berühmten und sehr beeindruckenden „Schwarzen Madonna“. Diese Reise unternahm er nach dem tragischen Unfalltod eines Freundes in Ungarn – des wenig bekannten und heute fast vergessenen Komponisten Pierre-Octave Ferroud, der auch mit Guy Ropartz zusammen studiert hat. Ich habe besagte Schwarze Madonna gesehen, wie sicherlich auch einige unter Ihnen, und ich bin sicher, Sie würden zustimmen, dass sie eine starke, fast unheimliche Ausstrahlung besitzt, und man kann nachvollziehen, warum Poulenc so von ihr ergriffen war.

Das Konzert ist wie ein Triptychon, könnte man sagen, wie ein Altarstück von französischen Meisterwerken, das das gesamte Potential der Orgel darbieten wird.

text: JD

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